Einblicke in die Vortragsreihen –

Subkongress „Personalmanagement & -controlling“

Vom Engpass zur Steuerung

Im Vorfeld des 33. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tags möchten wir zentrale Themen und Perspektiven des Kongresses näher beleuchten. Dafür haben wir den Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Vortragsreihen und Subkongresse einige Fragen gestellt – zu aktuellen Herausforderungen, strategischen Einordnungen und konkreten Impulsen für Controlling, Management und Vorstand. Die Antworten geben einen ersten Einblick in die inhaltliche Tiefe der Sessions – und zeigen, warum sich der Austausch in Potsdam lohnt.

Mit dem Subkongress Personalmanagement & -controlling „Vom Engpass zur Steuerung“ greift der DVKC am 28. April 2026 parallel zum Hauptkongress erneut ein zentrales Steuerungsthema auf. Im folgenden Interview gibt uns Prof. Dr. Dirk Lauscher (Vorstandsmitglied DVKC & Mitgründer ETS ConHealth) Einblicke in Zielsetzung, Relevanz und praktische Implikationen für Krankenhäuser.

Frage: Warum ist Personal aktuell die zentrale Steuerungsfrage im Krankenhaus?

Antwort: Personal ist heute nicht mehr nur ein Kostenfaktor im Wirtschaftsplan, sondern der entscheidende limitierende Faktor für Leistungserbringung im Krankenhaus. Während früher vor allem Erlösentwicklung, Fallzahlen oder Investitionsmittel im Zentrum der Steuerung standen, bestimmt heute in vielen Häusern vor allem die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeitender die tatsächliche Leistungsfähigkeit.

Der Fachkräftemangel in Pflege und Medizin, steigende regulatorische Anforderungen wie Personaluntergrenzen, eine zunehmende Komplexität der Versorgungsstrukturen sowie wachsende wirtschaftliche Unsicherheiten wirken gleichzeitig auf die Organisation. Das führt dazu, dass Personal unmittelbar Einfluss auf Erlösstruktur, Leistungsangebot und strategische Positionierung eines Krankenhauses nimmt.

Wer Personal nicht aktiv und systematisch steuert, verliert nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern riskiert auch Versorgungseinschränkungen. Deshalb ist Personal heute die zentrale Steuerungsfrage im Krankenhausmanagement.

Frage: Was bedeutet das Motto „Vom Engpass zur Steuerung“ konkret für die Praxis?

Antwort: Das Motto „Vom Engpass zur Steuerung“ beschreibt einen notwendigen Perspektivwechsel. In vielen Einrichtungen wird derzeit noch stark reaktiv gehandelt: Dienstpläne werden kurzfristig angepasst, Betten gesperrt oder OP-Kapazitäten reduziert, um auf personelle Engpässe zu reagieren.

Steuerung bedeutet hingegen, Personalbedarf frühzeitig auf Basis belastbarer Leistungsdaten zu planen und mit der strategischen Ausrichtung des Hauses zu verknüpfen. Es geht darum, Leistungsplanung, Budgetplanung und Personaleinsatz nicht isoliert zu betrachten, sondern als integriertes System zu verstehen.

Dazu gehören auch Szenarioanalysen, beispielsweise zur Ambulantisierung oder zu strukturellen Veränderungen, sowie eine bewusste Auseinandersetzung mit Qualifikations- und Skill-Mix-Modellen. Ziel ist es, Personal nicht nur zu verwalten oder Engpässe zu kompensieren, sondern die Versorgungsstruktur aktiv und vorausschauend daran auszurichten.

Frage: Welche Rolle spielt Personalcontrolling für Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit?

Antwort: Personalcontrolling bildet die zentrale Schnittstelle zwischen medizinischer Realität und betriebswirtschaftlicher Steuerung. Es schafft Transparenz über Personalkostenstrukturen und deren Entwicklung, macht Unterschiede zwischen Fachbereichen sichtbar und liefert Frühindikatoren für potenzielle Fehlentwicklungen.

Gleichzeitig ermöglicht es eine differenzierte Betrachtung der Produktivität, etwa im Verhältnis von Personaleinsatz zu Leistung oder Erlösentwicklung. Nur wenn dieser Zusammenhang systematisch analysiert wird, lassen sich fundierte Entscheidungen über Strukturveränderungen, Leistungsanpassungen oder Investitionen treffen.

Personalcontrolling ist damit kein reines Reportinginstrument, sondern ein strategisches Steuerungsinstrument. Es trägt wesentlich dazu bei, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander in Einklang zu bringen.

Frage: Welche Kennzahlen und Instrumente gewinnen im Personalbereich an Bedeutung?

Antwort: Neben klassischen Kennzahlen wie der Personalkostenquote oder der Anzahl von Vollkräften pro Fall gewinnen zunehmend leistungsbezogene Relationen an Bedeutung. Dazu gehören beispielsweise Kennzahlen, die den Personaleinsatz ins Verhältnis zum Case-Mix oder zu spezifischen Leistungssegmenten setzen.

Auch die Analyse des Qualifikationsmixes, also das Verhältnis unterschiedlicher Berufsgruppen und Kompetenzniveaus innerhalb eines Bereichs, rückt stärker in den Fokus. Darüber hinaus spielen Ausfallquoten, deren Ursachen sowie deren finanzielle Auswirkungen eine immer größere Rolle.

Zunehmend relevant werden zudem Simulationstools, die verschiedene Szenarien abbilden und es ermöglichen, die Auswirkungen von Strukturveränderungen oder Leistungsverschiebungen auf den Personalbedarf frühzeitig zu analysieren. Entscheidend ist jedoch nicht die Vielzahl an Kennzahlen, sondern deren Einbettung in einen kontinuierlichen Steuerungsdialog zwischen HR, Controlling und Management.

Frage: Warum müssen HR, Controlling und Management enger zusammenarbeiten?

Antwort: Personalsteuerung ist heute eine Querschnittsaufgabe, die nicht isoliert in einer Abteilung verortet werden kann. HR bringt arbeitsrechtliche Expertise, Rekrutierungsstrategien sowie die Perspektive der Mitarbeitenden ein. Das Controlling sorgt für Transparenz über Kosten, Leistungsrelationen und Szenarien. Das Management wiederum setzt strategische Prioritäten und trifft strukturelle Entscheidungen.

Wenn diese Bereiche nicht eng zusammenarbeiten, entstehen Zielkonflikte, etwa zwischen Kostendruck und Mitarbeiterbindung oder zwischen Leistungssteigerung und Qualitätssicherung. Eine integrierte Steuerungslogik hilft dabei, diese Spannungsfelder transparent zu machen und tragfähige Entscheidungen zu treffen.

Gerade im Kontext der aktuellen Reformphase im Krankenhauswesen ist diese bereichsübergreifende Zusammenarbeit entscheidend, um Personal als strategischen Hebel zu nutzen.

Frage: Was sollten Teilnehmende aus dem Subkongress direkt in ihren Alltag mitnehmen?

Antwort: Die Teilnehmenden sollen ein klares Verständnis dafür entwickeln, wie Leistungs- und Personalplanung systematisch miteinander verzahnt werden können. Sie sollen erkennen, welche Kennzahlen tatsächlich steuerungsrelevant sind und wie diese sinnvoll in Entscheidungsprozesse integriert werden können.

Darüber hinaus sollen sie konkrete Impulse erhalten, wie die Zusammenarbeit zwischen HR, Controlling und Management strukturell verbessert werden kann. Ziel ist es, nicht nur theoretische Ansätze zu diskutieren, sondern praxisnahe Instrumente und Denkmodelle mitzunehmen, die unmittelbar im eigenen Haus angewendet werden können.

Am Ende steht die Frage, wie Krankenhäuser trotz Fachkräftemangel, Reformdruck und wirtschaftlicher Unsicherheit handlungsfähig bleiben – und Personal von einem Engpassfaktor zu einer aktiv gestalteten Steuerungsgröße entwickeln.

Interviewpartner: Prof. Dr. Dirk Lauscher (Vorstandsmitglied DVKC & Mitgründer ETS ConHealth)