Einblicke in die Vortragsreihen –

DVKC Standard: CS400 

Kennzahlen als Kompass für das Management

Im Vorfeld des 33. Deutschen Krankenhaus-Controllertags möchten wir zentrale Themen und Perspektiven des Kongresses näher beleuchten. Dafür haben wir den Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Vortragsreihen und Subkongresse einige Fragen gestellt – zu aktuellen Herausforderungen, strategischen Einordnungen und konkreten Impulsen für Controlling, Management und Vorstand. Die Antworten geben einen ersten Einblick in die inhaltliche Tiefe der Sessions – und zeigen, warum sich der Austausch in Potsdam lohnt.

Mit der letzten Vortragsreihe des 33. DKCT zum neuen DVKC-Standard, dem sogenannten „CS400“, greift der DVKC die neuesten Erkenntnisse aus seiner eigenen Arbeitsgruppe auf. Im folgenden Interview geben uns Frank Wacker und Andreas Weiß spannende Einblicke in Zielsetzung, Relevanz sowie die praktischen Implikationen der erarbeiteten Ergebnisse.

Frage: Warum spielen Kennzahlen eine zentrale Rolle für eine wirksame Krankenhaussteuerung?

Andreas Weiß: In einem Umfeld, das von chronisch leeren Kassen und demografischem Wandel geprägt ist, dürfen Kennzahlen keine bloße statistische Beigabe sein. Sie sind die Wegweiser zum wirtschaftlichen und qualitativen Erfolg. Wir müssen verstehen, dass medizinische Hochleistung und ökonomische Stabilität keine Gegensätze sind. Kennzahlen wie der Case Mix, die durchschnittliche Verweildauer oder die OP-Auslastung machen Leistungen und Prozesse erst transparent und damit steuerbar.

Frank Wacker: Wir führen ein Krankenhaus nicht mit „Zahlenfriedhöfen“ auf Papier, sondern mit Kennzahlen, die Handlungsmotivation und Zukunftsorientierung vermitteln. Effektive Steuerung bedeutet, eine gesunde finanzielle Basis für die medizinische und pflegerische Versorgung nachhaltig zu sichern. Kennzahlen und die damit verbundenen Ziele übersetzen die Strategie in konkrete operative Aufgaben für jeden Mitarbeiter.

Frage: Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen im Umgang mit Kennzahlensystemen?

Frank Wacker: Das größte Problem ist die Informationsflut. In unserer AG haben wir über 500 potenzielle Kennzahlen gesichtet. Wer versucht, alles gleichzeitig zu steuern, steuert am Ende gar nichts. Viele Häuser leiden zudem an „toten Kennzahlen“ – Werten, die zwar mehr oder weniger zusammenhangslos in Berichten stehen, aber für die niemand die Verantwortung trägt oder die keine Maßnahmen auslösen. Oft wird zudem lieber berichtet, was der Berichtsersteller kann und nicht zwingend das, was der Berichtsempfänger braucht. Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass sich die Verbesserung einer einzelnen Kennzahl nachteilig auf den Gesamtunternehmenserfolg auswirken kann, wenn Abhängigkeiten nicht erkannt und zusamen dargestellt werden.

Andreas Weiß: Ein weiterer „Knackpunkt“ ist ein professionenübergreifendes Verständnis. Oft wird in den Häusern deutlich mehr über die Methodik diskutiert statt über die Inhalte. Wenn sich der Ärztliche Dienst, die Pflege und das kaufmännische Management nicht auf ein gemeinsames Datengerüst einigen können, verliert das System seine Glaubwürdigkeit.

Frage: Wie lassen sich Kennzahlen so gestalten, dass sie für unterschiedliche Professionen nutzbar sind?

Andreas Weiß: Der Schlüssel ist die rollenbasierte Verdichtung auf One-Pager. Unsere One-Pager für Geschäftsführung, Ärztliche Direktion und Pflegedirektion fassen die jeweils kritischen Input- und Output-Faktoren prägnant zusammen. So sieht jeder Verantwortliche auf einen Blick, wo er operativ eingreifen muss.

Frank Wacker: Wir müssen die Kennzahlen horizontal verknüpfen. Nur wenn das Berichtswesen die spezifischen Bedürfnisse und Steuerungsmöglichkeiten jeder Profession bedient, wird es als echte Entscheidungshilfe akzeptiert.

Frage: Warum ist eine gemeinsame Sprache über Kennzahlen so entscheidend?

Frank Wacker: Ohne eine einheitliche Sprache gleicht Krankenhaussteuerung einem Turmbau zu Babel. Ein Standard wie CS400 fungiert als „Single Point of Truth“. Wenn wir über „Verweildauer“ sprechen, müssen alle das gleiche Verständnis von der ökonomischen Relevanz haben: Jeder Tag „zu viel“ kostet nicht nur Geld, sondern nimmt einem anderen Menschen die Chance auf Behandlung.

Andreas Weiß: Die gemeinsame Sprache fördert den interprofessionellen Dialog. Im CS400 integrieren wir daher bewusst Fachstandards, wie das perioperative Glossar der BDA und BDC. Wenn der Controller und der Chirurg dieselbe Definition von „Wechselzeit“ nutzen, verschwindet das Misstrauen und wir können uns gemeinsam auf die Prozessverbesserung konzentrieren.

Frage: Welche Rolle spielen neue Standards wie der CS400 in diesem Kontext?

Andreas Weiß: Der CS400 schließt die Lücke zwischen der rein finanziellen Ergebnissicht (CS100/CS200) und der täglichen operativen Steuerung. Er ist als lebendiges Instrument konzipiert. Besonders stolz sind wir auf die methodische Tiefe der „Kennzahlen-Steckbriefe“. Sie zeigen nicht nur die Formel jeder Kennzahl, sondern liefern direkt den Interpretationskontext und konkrete Maßnahmenvorschläge mit.

Frank Wacker: Die CS400-Entwicklung ist daher auch ein Organisationsentwicklungsprojekt. Es geht darum, eine Kultur des bereichsübergreifenden Vertrauens bei gleichzeitiger Eigenverantwortung zu schaffen. Der Standard bietet die Struktur, um den Veränderungsprozess im Krankenhaus durch ein verbessertes Führungskonzept zu stützen.

Frage: Was sollten Teilnehmende künftig im Umgang mit Kennzahlen anders machen?

Frank Wacker: Konzentrieren Sie sich auf die strategisch relevanten Kennzahlen – weniger ist hier definitiv mehr. Verknüpfen Sie jede Kennzahl zwingend mit Soll-Werten und klaren Verantwortlichkeiten. Eine Kennzahl ohne Verantwortlichen ist wertlos.

Andreas Weiß: Schauen Sie nach vorne! Nutzen Sie verstärkt Frühindikatoren bzw. Leistungstreiber-Kennzahlen. Ergebniskennzahlen wie das EBITDAR sind wichtig, aber sie zeigen das Ergebnis der Bemühungen der Vergangenheit, sind also nur der „Schnee von gestern“. Wirkliches Controlling findet statt, wenn Sie heute die Treiber messen, die den Erfolg von morgen sichern – wie etwa die Triage-Zeiten in der ZNA oder die Prozessdisziplin im OP.

Erleben Sie Frank Wacker, Andreas Weiß und die Arbeitsgruppe live in der Session zur Version 1.0 des CS400 am 29. April auf dem 33. DKCT in Potsdam.