Einblicke in die Vortragsreihen –

3. Tag der Nachhaltigkeitsberichterstattung 

Nachhaltigkeitsmanagement nach dem Omnibus

Im Vorfeld des 33. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tags möchten wir zentrale Themen und Perspektiven des Kongresses näher beleuchten. Dafür haben wir den Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Vortragsreihen und Subkongresse einige Fragen gestellt – zu aktuellen Herausforderungen, strategischen Einordnungen und konkreten Impulsen für Controlling, Management und Vorstand. Die Antworten geben einen ersten Einblick in die inhaltliche Tiefe der Sessions – und zeigen, warum sich der Austausch in Potsdam lohnt.

Mit dem Subkongress 3. Tag der Nachhaltigkeitsberichterstattung „Nachhaltigkeitsmanagement nach dem Omnibus“ greift der DVKC am 29. April 2026 parallel zum Hauptkongress erneut ein zentrales Steuerungsthema auf. Im folgenden Interview gibt uns Prof. Dr. Björn Maier (Vorstandsvorsitzender DVKC) Einblicke in Zielsetzung, Relevanz und praktische Implikationen für Krankenhäuser.

Frage: Was ist die Idee des TdNB?

Antwort: Für die Positionierung des Subkongresses lässt sich daraus eine klare Leitidee ableiten:

Der „Tag der Nachhaltigkeitsberichterstattung“ sollte nicht nur als Forum für neue Berichtspflichten verstanden werden, sondern als Plattform für die Frage, wie Krankenhäuser Nachhaltigkeit in einer Phase von Reform, Investitionsdruck und regulatorischer Unsicherheit als Führungs- und Steuerungsaufgabe organisieren und begreifen können und aus einer Auflage einer Wettbewerbsvorteil machen.

Frage: Warum ist Nachhaltigkeitsberichterstattung aktuell mehr als nur eine regulatorische Pflicht?

Antwort: Nachhaltigkeitsberichterstattung ist längst kein reines nice to have-Thema mehr, weil sie unmittelbar an Finanzierung, Investitionsfähigkeit, Lieferkettenanforderungen, Reputation und Zukunftsfähigkeit von Organisationen anknüpft. Parallel zur Omnibus-Debatte arbeitet die EU weiter an einer Vereinfachung der Vorgaben, nimmt das Thema aber nicht vom Tisch. Vielmehr geht es zunehmend darum, Nachhaltigkeitsinformationen so aufzubereiten, dass Kapitalgeber, Träger, Partner und Aufsicht ein belastbares Bild von Risiken, Transformationsfähigkeit und Governance erhalten. Für Krankenhäuser kommt hinzu, dass Strukturwandel, Energieabhängigkeit, Personalfragen und Resilienz längst strategische Themen geworden sind.

Frage: Welche Anforderungen kommen auf Krankenhäuser konkret zu?

Antwort: Unnachhaltiges Wirtschaften wird künftig teurer! Das sieht man jetzt wieder in den Energiepreisen. Gleichwohl müssen Krankenhäuser künftig sehr genau prüfen, ob und wann sie formal in den Anwendungsbereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung fallen. Gleichzeitig entsteht auch dort, wo keine unmittelbare gesetzliche Pflicht greift, faktischer Druck; insbesondere durch Banken, Versicherer, öffentliche Finanzierung, Lieferanten. Relevant sind insbesondere belastbare Daten zu Energie, Emissionen, Gebäuden, Ressourcenverbrauch, Abfall, Lieferketten, Personal, Governance und Transformationsmaßnahmen. Für viele Organisationen gewinnt der VSME-Standard als freiwilliger, aber marktnaher Referenzrahmen an Bedeutung.

Frage: Wie kann Nachhaltigkeit als Steuerungsinstrument genutzt werden?

Antwort: Nachhaltigkeit wird dann wertvoll, wenn sie nicht nur berichtet, sondern in die Unternehmenssteuerung integriert wird. Für Krankenhäuser bedeutet das: Kennzahlen zu Energie, Emissionen, Flächeneffizienz, Mobilität, Beschaffung, Personalstabilität, Krankenstand, Investitionsbedarf oder Klimarisiken müssen an Planung, Budgetierung und Maßnahmensteuerung angebunden werden. Dann wird Nachhaltigkeitsberichterstattung zu einem Instrument, mit dem Risiken früher erkannt, Investitionen priorisiert, Transformationspfade begründet und Zielkonflikte zwischen Qualität, Wirtschaftlichkeit und Versorgung transparent gemacht werden können. Wer hier nicht steuert wird künftig keine nachhaltige Gesundheitsversorgung Aufrecht erhalten können.

Frage: Welche Schnittstellen bestehen zwischen Controlling, Strategie und Nachhaltigkeit?

Antwort: Die Schnittstellen sind sehr eng: Das Controlling liefert Datenlogik, Kennzahlensysteme, Abweichungsanalysen und Steuerungsroutinen; die Strategie definiert Zielbild, Transformationspfade und Prioritäten; das Nachhaltigkeitsmanagement bündelt regulatorische Anforderungen: Wesentlichkeit, Stakeholderperspektiven und Umsetzungsprogramme. In Krankenhäusern wird genau an dieser Schnittstelle entschieden, ob Nachhaltigkeit ein separates Berichtsthema bleibt oder Teil der Unternehmensführung wird. Dann kann man auch die Generation „Planetary Health“ als Mitarbeitende gewinnen.

Frage: Wo liegen aktuell die größten Unsicherheiten und Herausforderungen in der Umsetzung?

Antwort: Die größten Herausforderungen liegen derzeit in der regulatorischen Unsicherheit, in der noch nicht abgeschlossenen nationalen Umsetzung sowie in der praktischen Operationalisierung. In Deutschland ist die CSRD-Umsetzung politisch und gesetzgeberisch nach wie vor in Bewegung; zugleich wurden auf EU-Ebene 2025/2026 Vereinfachungen und Verschiebungen beschlossen beziehungsweise weiterverfolgt. Für Krankenhäuser bedeutet das: Viele Häuser wissen, dass sie sich vorbereiten müssen, haben aber zugleich Unsicherheit über Reichweite, Zeitpunkt und Tiefe der künftigen Pflichten. Besonders wichtig ist dabei auch aus wirtschaftlicher Sicht die Verknüpfung mit Investitionsentscheidungen, Bau- und Medizintechnikplanung, Personalstrategie, Einkauf und Risikomanagement.

Frage: Was sollten Krankenhäuser jetzt vorbereiten, um handlungsfähig zu bleiben?

Antwort: Krankenhäuser sollten jetzt unabhängig von der finalen Regulatorik eine pragmatische Vorbereitungsagenda aufsetzen: Erstens den eigenen Betroffenheitsstatus und die konzern- bzw. trägerbezogene Einordnung klären. Zweitens eine belastbare Datenbasis für Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen aufbauen. Drittens Verantwortlichkeiten zwischen Geschäftsführung, Controlling, Einkauf, Technik, Personal und Nachhaltigkeit festlegen. Viertens ein schlankes Kennzahlenset definieren, das sowohl für Berichtspflichten als auch für interne Steuerung taugt. Fünftens Investitions- und Transformationsvorhaben so dokumentieren, dass sie gegenüber Fördermittelgebern, Banken und Aufsicht anschlussfähig sind. Und sechstens sollte geprüft werden, ob ein freiwilliger Standard wie VSME als vorbereitender Ordnungsrahmen sinnvoll ist.

Interviewpartner: Prof. Dr. Björn Maier (Vorstandsvorsitzender DVKC)