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Im Vorfeld des 33. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tags möchten wir zentrale Themen und Perspektiven des Kongresses näher beleuchten. Dafür haben wir den Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Vortragsreihen einige Fragen gestellt – zu aktuellen Herausforderungen, strategischen Einordnungen und konkreten Impulsen für Controlling, Management und Vorstand. Die Antworten geben einen ersten Einblick in die inhaltliche Tiefe der Sessions – und zeigen, warum sich der Austausch in Potsdam lohnt.
Mit der sechsten Vortragsreihe „Ambulantisierung und Hybrid DRGs – Was jetzt zu tun ist“ greift der 33. DKCT 2026 ein weiteres zentrales Planungs- und Steuerungsthema auf. Im folgenden Interview gibt uns Frank Wacker (Vorstandsmitglied DVKC & Leitung Unternehmenssteuerung Contilia GmbH) Einblicke in Zielsetzung, Relevanz und praktische Implikationen für Krankenhäuser.
Frage: Warum ist Ambulantisierung aktuell eines der prägendsten Themen für die Krankenhaussteuerung?
Antwort: Je nach Leistungsspektrum wandert durch Erweiterungen des AOP- und Hybrid-DRG-Katalogs ein beachtliches Leistungsvolumen vom stationär in den ambulant vergüteten Bereich. Dadurch entfällt ein Teil der die Fixkosten refinanzierenden stationären Erlöse. Die Frage, wohin ein Krankenhaus oder Gesundheitskonzern steuert ist daher eng verknüpft mit der Frage, ob es den ambulanten Markt bedienen kann und will oder ob es Leistungen unter Anpassung seiner Kosten und seines Portfolios aufgibt.
Frage: Welche strategischen Entscheidungen stehen Krankenhäusern jetzt konkret bevor?
Antwort: Krankenhäuser entscheiden, welche ambulant erbringbaren Leistungen Sie noch erbringen wollen. Braucht es bestimmte Leistungen für ein sinnvolles Leistungsspektrum in einem Leistungsbereich oder sollen andere diese Leistungen erbringen? Fällt die Antwort zugunsten des eigenen Krankenhauses aus, ist die Frage zu klären, ob sich diese Leistungen wirtschaftlich selbständig tragen müssen oder ob eine Querfinanzierung zugestanden wird.
Frage: Was bedeuten Hybrid-DRGs für Prozesse, Kostenstrukturen und Erlöse?
Antwort: Auch wenn manche Hybrid-DRG’s im Vergleich zum bisherigen stationär/ambulanten Abrechnungsmix noch gut vergütet scheinen werden diese perspektivisch nach einer Konvergenz nur noch eine tatsächlich ambulante Leistungserbringung ausreichend finanzieren. Die Prozesse und Strukturen sind daher schon jetzt an eine ambulante Vergütung anzupassen. Dies gilt sowohl für die Infrastruktur und die Abläufe als auch für die eingesetzten Ressourcen. Leider erfolgt die Anpassung der Erlöse „automatisch“, die Anpassung der Kosten muss aktiv vorangetrieben werden.
Frage: Welche Steuerungs- und Controlling-Instrumente müssen angepasst werden?
Antwort: Die Controllinginstrumente, die diesen Wandel begleiten und dessen Erfolg messen, müssten stark prozess- und ergebnisorientiert sein. Beispiel hierfür wären eine Ambulanzkosten- oder generelle Kostenträgerrechnung sowie Processmining in Hochkostenbereichen wie dem OP oder HKL.
Frage: Wo liegen Risiken – und wo echte Chancen für neue Versorgungsmodelle?
Antwort: Risiken liegen dort, wo nur die Abrechnungsmodelle neu sind, nicht aber die Versorgungsprozesse. Wenn sich die Versorgung weiterhin an stationärer Vergütung orientiert, wird die Leistungserbringung sicher defizitär. Weitere Risiken liegen im Eintreten rein ambulanter Player in den hybriden Markt, hier hat der Verteilungskampf schon begonnen. Chancen liegen insbesondere jetzt noch dort, wo Krankenhäuser Leistungen jetzt schon im ambulanten Setting erbringen können und Hybrid-Erlöse generieren.
Frage: Was sollten medizinische und kaufmännische Führungskräfte aus dieser Session mitnehmen?
Antwort: Welche Entscheidungen stehen an? Auf Basis welcher Überlegungen und Daten kann entschieden werden? Wie haben andere entschieden? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Welche Tools und Instrumente sind hilfreich?
Frage: Was sollten Controller aus dieser Session mitnehmen?
Antwort: Welcher Informationsbedarf besteht VOR der strategischen Ausrichtung? Mit welchen Instrumenten kann ein Wandel in Strukturen und Prozessen begleitet werden? Wie ist eine Erfolgskontrolle möglich? Welche Tools, Berichte und Instrumente braucht es dauerhaft?
Interviewpartner: Frank Wacker (Vorstandsmitglied DVKC & Leitung Unternehmenssteuerung Contilia GmbH)