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Im Vorfeld des 33. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tags möchten wir zentrale Themen und Perspektiven des Kongresses näher beleuchten. Dafür haben wir den Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Vortragsreihen einige Fragen gestellt – zu aktuellen Herausforderungen, strategischen Einordnungen und konkreten Impulsen für Controlling, Management und Vorstand. Die Antworten geben einen ersten Einblick in die inhaltliche Tiefe der Sessions – und zeigen, warum sich der Austausch in Potsdam lohnt.
Mit der vierten Vortragsreihe „Karrierewege im Controlling: Wege als Experte und Führungskraft “ greift der 33. DKCT 2026 ein zentrales Steuerungsthema auf. Im folgenden Interview gibt uns Prof. Dr. Julia Oswald (Professorin für Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Osnabrück) Einblicke in Zielsetzung, Relevanz und praktische Implikationen für Krankenhäuser.
Frage: Wie hat sich das Berufsbild von ControllerInnen im Krankenhaus verändert?
Antwort: Das Berufsbild hat sich verschoben: weg vom detaillierten Nachrechnen, hin zur Steuerung unter Unsicherheit. In einer dynamischen und komplexen Umwelt reichen klassische Detailplanungen oft nicht mehr aus – sie sind häufig schnell obsolet. Stattdessen liefern ControllerInnen heute Orientierung über Leitplanken und priorisierte Zielgrößen. Ihre Rolle entwickelt sich damit vom Datenlieferanten zum aktiven Sparringspartner des Krankenhausmanagements. Entscheidend ist Handlungsfähigkeit trotz Unsicherheit.
Frage: Welche Kompetenzen sind entscheidend für den Schritt vom Experten zur Führungskraft?
Antwort: Management bedeutet, Komplexität zu reduzieren, ohne sie zu simplifizieren. Neben fachlicher Tiefe braucht es die Fähigkeit, aus Daten schnell entscheidungsrelevante Informationen abzuleiten. Hinzu kommen Kommunikations- und Übersetzungskompetenz zwischen Ökonomie, Medizin und Pflege. Zunehmend wichtig wird auch ein Verständnis für digitale Tools und datengetriebene Prognosen.
Frage: Warum wird Controlling zunehmend zu einer strategischen Managementfunktion?
Antwort: Krankenhäuser stehen unter hohem Anpassungsdruck – durch Reformen, zunehmenden Wettbewerb, rasanten medizinisch-technischen Fortschritt und demografische Entwicklungen. Die Folge sind tiefgreifende Veränderungen von Strukturen und Prozessen, die eine flexible und vorausschauende Steuerung erfordern. Controlling schafft hier Orientierung, indem es flexible Planungslogiken, Szenarien und Prognosen bereitstellt. Gleichzeitig integriert es neue Dimensionen in das Steuerungssystem wie z.B. das Thema Nachhaltigkeit durch die Erfassung sozialer und ökologischer Leistungen des Krankenhauses.
Frage: Welche Karrierewege stehen ControllerInnen heute offen?
Antwort: Karrierewege im Controlling sind heute deutlich vielfältiger und stärker differenziert. Sie ergeben sich sowohl entlang der Themenfelder – etwa Medizin- und Pflege-, Finanz- oder Personalcontrolling – als auch entlang der Organisationsebenen von der Fachabteilung, über das Krankenhaus bis hin zum Konzern. Gleichzeitig entstehen neue Perspektiven im Controlling. Mit dem Ausbau des ambulanten Leistungsangebots von Krankenhäusern bspw. wächst die Notwendigkeit für ein Ambulanz-Controlling. Erweitert man diesen Ansatz und bezieht die sektorenübergreifende Versorgung ein, so beinhaltet das Controlling auch die Formen der sektorenübergreifenden Versorgung. Karriere folgt nicht nur Hierarchien, sondern zunehmend Spezialisierungen und Verantwortungsbereichen. Genau diese Vielfalt wollen wir in der Session anhand konkreter Praxisbeispiele sichtbar machen.
Frage: Welche Rolle spielen Digitalisierung und neue Steuerungsanforderungen für die Karriereentwicklung?
Antwort: Digitalisierung verändert die Arbeitslogik im Controlling. Automatisierte Datenverarbeitung und Predictive Analytics verschieben den Schwerpunkt von Reporting hin zu vorausschauender Steuerung. Gleichzeitig steigt der Bedarf, komplexe Informationen schnell in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Parallel gewinnen neue Anforderungen an die Steuerung des Leistungsgeschehens von Krankenhäusern an Bedeutung und erweitern das Aufgabenportfolio. Karriere entsteht damit im Spannungsfeld von Technologie, Steuerungskompetenz und systemischem Verständnis.
Frage: Was würden Sie jungen ControllerInnen mit auf den Weg geben?
Antwort: Verabschieden Sie sich von der Idee, alles im Detail durchrechnen zu können. Entscheidend ist, die richtigen Fragen zu stellen und Orientierung zu geben, nicht jede Zahl zu kennen. Suchen Sie aktiv die Nähe zu den Entscheidungsträgern im Krankenhaus, die Sie unterstützten, und entwickeln Sie ein Verständnis für die Logik des Gesamtsystems Krankenhaus. Bauen Sie Kompetenzen in Datenanalyse und neuen Steuerungsthemen auf. Und: Trauen Sie sich, Verantwortung zu übernehmen – auch unter Unsicherheit.
Interviewpartnerin: Prof. Dr. Julia Oswald (Professorin Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Osnabrück)
Infos zur Teilnahme: