Einblicke in die Vortragsreihen –

Aktuelle Herausforderungen im Fokus

Im Vorfeld des 33. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tags möchten wir zentrale Themen und Perspektiven des Kongresses näher beleuchten. Dafür haben wir den Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Vortragsreihen einige Fragen gestellt – zu aktuellen Herausforderungen, strategischen Einordnungen und konkreten Impulsen für Controlling, Management und Vorstand. Die Antworten geben einen ersten Einblick in die inhaltliche Tiefe der Sessions – und zeigen, warum sich der Austausch in Potsdam lohnt.

Mit der zweiten Vortragsreihe „Aktuelle Herausforderungen im Controlling von Krankenhäusern“ greift der 33. DKCT 2026 ein zentrales Steuerungsthema auf. Im folgenden Interview gibt uns Cornelia Müller-Wenzel (Vorstandsmitglied DVKC e.V.) Einblicke in Zielsetzung, Relevanz und praktische Implikationen für Krankenhäuser.

Frage: Welche Herausforderungen prägen das Krankenhaus-Controlling aktuell stärker als in den vergangenen Jahren?

Antwort: Wir erleben derzeit eine Verdichtung von externem Druck und interner Komplexität. Reformprozesse wie das KHVVG, neue Leistungsgruppen und veränderte Finanzierungslogiken treffen auf steigende Kosten, Fachkräftemangel und wachsende regulatorische Anforderungen. Gleichzeitig erwarten Geschäftsführungen und Vorstände eine noch stärkere strategische Unterstützung durch das Controlling.

Das Krankenhaus-Controlling steht heute nicht mehr nur für Transparenz – sondern für aktive Steuerungsfähigkeit in einem Umfeld hoher Unsicherheit.

Frage: Wo stoßen klassische Controlling-Ansätze heute an ihre Grenzen?

Antwort: Klassische, retrospektiv ausgerichtete Berichts- und Budgetlogiken greifen zunehmend zu kurz. Jahresbudgets und statische Planungen verlieren an Aussagekraft, wenn sich Rahmenbedingungen kurzfristig verändern.

Zudem reicht isoliertes Zahlenreporting nicht mehr aus. Controlling muss integrieren: medizinische Perspektiven, Pflege, Personal, Qualität, Nachhaltigkeit und strategische Entwicklung. Wer nur Abweichungen kommentiert, statt Handlungsszenarien zu entwickeln, wird den Anforderungen nicht mehr gerecht.

Frage: Welche neuen Anforderungen kommen durch Reformen, Digitalisierung und steigenden wirtschaftlichen Druck hinzu?

Antwort: Reformen verändern nicht nur Erlöslogiken, sondern auch Versorgungsstrukturen. Das verlangt neue Kennzahlensysteme, differenziertere Szenarioanalysen und eine engere Verzahnung von strategischer und operativer Planung.

Parallel entstehen durch Digitalisierung und KI neue Möglichkeiten – aber auch neue Governance-Fragen. Datenqualität, Systemintegration und die Fähigkeit, aus großen Datenmengen Entscheidungswissen zu generieren, werden zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Frage: Was müssen Controller:innen heute zusätzlich können, um wirksam zu steuern?

Antwort: Neben analytischer Kompetenz werden kommunikative und strategische Fähigkeiten immer wichtiger. Controller:innen müssen politische Entwicklungen einordnen, medizinische und pflegerische Perspektiven verstehen und komplexe Sachverhalte adressatengerecht vermitteln.

Gefragt ist weniger der „Zahlenlieferant“, sondern der „Sparringspartner auf Augenhöhe“ – jemand, der Entscheidungsprozesse strukturiert, Optionen aufzeigt und Verantwortung mitträgt.

Frage: Welche Themen werden im Controlling aus Ihrer Sicht künftig deutlich an Bedeutung gewinnen?

Antwort: Integrierte Mehrjahresplanung, Szenariotechniken, KI-gestützte Analyseprozesse und interprofessionelle Kennzahlensysteme werden stark an Bedeutung gewinnen. Ebenso Themen wie Nachhaltigkeitsberichterstattung, Personalsteuerung und Versorgungsstrukturentwicklung.

Controlling wird zunehmend zum Bindeglied zwischen Strategie, Finanzierung, Qualität und Organisation.

Frage: Was sollten Teilnehmende nach dieser Vortragsreihe anders einordnen als zuvor?

Antwort: Idealerweise nehmen die Teilnehmenden ein geschärftes Verständnis dafür mit, dass Controlling nicht nur auf Reformen reagiert, sondern aktiv gestalten kann.

Wer die aktuellen Entwicklungen als reine Belastung wahrnimmt, verkennt die Chance zur Weiterentwicklung der eigenen Steuerungslogik. Ziel der Session ist es, Orientierung zu geben – und Mut zur strategischen Weiterentwicklung zu machen.

Interviewpartner: Cornelia Müller-Wenzel (Vorstandsmitglied DVKC e.V.)